Das Land Spanien hat seine Online-Glücksspiel-Ergebnisse für das dritte Quartal 2018 veröffentlicht. Die Sparten Sportwetten und Online-Casino sorgen im Q3-Jahresvergleich für einen robusten Wachstumsschub, vor allem auf Grund wachsender Marketingausgaben.

Das spanische Parlamentsgebäude.

Das spanische Parlament debattiert über das geplante Glücksspielwerbeverbot. (©Bildquelle)

Laut der Glücksspielaufsichtsbehörde DGOJ (Dirección General de Ordenación del Juegokann der spanische Online-Glücksspielmarkt im dritten Quartal des Jahres einen Anstieg der Bruttospielerlöse um 29,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr verbuchen. Binnen drei Monaten – bis zum 30. September – sind die Einnahmen damit auf 181,8 Mio. EUR gestiegen.  Die „starke Performance“ sei im Wesentlichen auf das Wachstum der Sparten Online-Casino und Sportwetten zurückzuführenso ein Sprecher der Behörde. Besonders die diesjährige Fußball-WM habe einen „enormen Umsatzanstieg“ um 27,4 Prozent auf 97,4 Mio. EUR generiert. Obgleich die spanische Nationalmannschaft es nicht geschafft hat, über die zweite Runde des Turniers hinauszukommen, wurden Wetteinsätze von insgesamt 1,61 Mrd. EUR eingezahlt. 

Noch mehr gaben die Spieler in der Rubrik Online-Casino aus: Hier stiegen die Gesamteinsätze gemessen am Q3 2017 um satte 35,6 Prozent auf 2,1 Mrd. EUR. Mit einem Gesamtumsatz von 34,2 Mio. EUR waren Online-Slots das mit Abstand beliebteste Glücksspiel-Produkt, dicht gefolgt von Live-Roulette mit einem Umsatz von 11,9 Mio. EUR. Auch das klassische Spiel am Automaten entwickelte sich im Q3-Vergleich stark, hierfür wurde eine Zuwachsrate von ganzen 39,2 Prozent auf 60,8 Mio. EUR bekannt gegeben

Poker und Bingo Ale!

Im Vorjahresvergleich kann Spanien für die Sparte Online-Poker einen rekordverdächtigen Umsatzanstieg von 35,1 Prozent auf 19,8 Mio. EUR verzeichnen. Die hohe Zuwachsrate ist laut DGOJ vor allem der Eröffnung eines gemeinsamen Spielerpools Ende vergangenen Mai mit Frankreich und Portugal geschuldet. Der Pool vereint folglich drei zuvor voneinander unabhängige Märkte. Gerüchten zufolge könnte sich dem Gespann bald auch Italien anschließen.

Ferner gibt die spanische Behörde für den Bereich Bingo einen nicht unbedeutsamen Umsatzanstieg von 11,3 Prozent auf 3,1 Mio. EUR an. In den Feldern Wettbewerb und Preisausschreibung wird für das Q3 hingegen ein rapider Abfall von ganzen 85 Prozent auf nur noch 318.279 EUR gemeldet. Konkret begründet hat die DGOJ die drastischen Einbußen jedoch bisher nicht.

Erhöhte Marketingkosten zahlen sich aus

Die unter dem Strich positive Bilanz wird von der Behörde insbesondere auf einen Anstieg der Werbekosten zurückgeführt. 52, der in Spanien lizenzierten Betreiber haben ihre Marketinginvestitionen innerhalb des Berichtszeitraums demnach um bis zu 56,3 Prozent auf summa summarum 75,9 Mio. EUR erhöht. Hauptsächlich im Bereich Fernsehwerbung. Mit Gesamtausgaben von insgesamt 36,4 Mio. EUR haben sich die Investitionen hier seit 2017 fast verdoppelt.

Darüber hinaus stiegen die Investitionen im Feld Sport-Sponsoring gegenüber dem Vorjahr um 83,4 Prozent auf 3,5 Mio. EUR, ebenso wie die Ausgaben für Affiliate-Marketing um 49,8 Prozent auf 7,4 Mio. EUR. Die Anbieter beförderten obendrein auch die Sparte Spielerboni, wo die Ausgaben auf 28,6 Mio. EUR stiegen, was laut DGOJ zu einer durchschnittlichen Zunahme an Aktivkonten um 30,7 Prozent auf 812.007 führte.

Und das Glücksspielwerbeverbot

Auch wenn die Zahlen der DGOJ für den spanischen Online-Markt ein stabiles Wachstum bestätigen, könnte der Schein trügen – dass die erhöhten Einnahmen ausgerechnet auf erhöhte Marketingausgaben in punkto TV-Werbung und Sponsoring zurückzuführen sind, gleicht einem Paradoxon mit Blick auf die politischen Entwicklungen in Spanien.

Erst Ende Oktober hatte Ministerpräsident Pedro Sánchez eine drastische Verschärfung der Werberichtlinien für Glücksspiele angekündigt – von einer Gleichsetzung mit Tabakwerbung war die Rede. Dies würde sowohl mit einem generellen Werbeverbot in TV, Radio und Printmedien einhergehen, als auch die Möglichkeiten im Internet stark einschränken.

Dass die spanische Glücksspiellobby indessen bereits gegen die neuen Richtlinien mobil macht, verwundert kaum. Konkret meldete sich in der Debatte der Glücksspielverband Jdigital zu Wort: Eine Gleichsetzung mit Tabakwerbung würde demnach „das Problem nicht lösen, sondern verschlimmern“. Darüber hinaus wurde auf die Gefahr verwiesen, illegale Anbieter durch das Verbot zu bestärken – Glücksspielwerbung sei die „Differentialwaffe“ der regulären Betreiber, Problemspieler würden infolge eines Werbeverbots bei „Anbietern ohne Lizenz landen“, so die Schlussfolgerung. Aber nichtsdestotrotz: Die Gesetzesnovelle soll schon ab Januar 2019 in Kraft treten. Ob es wirklich dazu kommt, bleibt vorerst abzuwarten. 

Vorreiter der drastischen Richtlinien ist übrigens Italien, wo die Novelle ab Juni 2019 in Kraft treten soll. Dort hat sich indessen der Glücksspielverband LOGiCO eingeschaltet und erklärt, dass durch das Werbeverbot „legale und legitime Betreiber unwiederbringlich versenkt“ würden. 

Ebenso verhält es sich hinsichtlich des geplanten Verbots in Belgien, wo die auf Malta lizenzierte Kindred Group Druck macht: Das Werbeverbot sei „eine mögliche Gefahr“ für Kunden, denn nicht-lizenzierte Anbieter seien „keinesfalls dazu verpflichtet, ähnliche Maßnahmen einzuhalten. Außerdem würden Problemspieler „höchstwahrscheinlich unter das Radar fallen“. 

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