Der staatliche Glücksspielbetreiber Svenska Spel hat in den ersten zwei Monaten seiner Tätigkeit im neu regulierten Online-Glücksspielmarkt Schwedens einen Gesamtumsatz von 86,9 Mio. EUR erzielt. Das Kernmonopolgeschäft des Anbieters dominiert den Markt damit gegen diverse frisch-lizenzierte europäische Online Anbieter.

Die Geschäftszentrale des schwedischen Glücksspielanbieters Svenska Spel.

Die Geschäftszentrale von Svenska Spel: Der staatliche Anbieter ist in Schweden nach wie vor Marktführer.

Ranking um die größten Marktanteile

Erstmals seit der Einführung des neuen Lizenzierungssystems zum Jahresbeginn 2019 hat die schwedische Glücksspielaufsichtsbehörde Spelinspektionen (ehemals: Lotteriinspektionen) ihre Q1-Geschäftszahlen zum re-regulierten Glücksspielmarkt veröffentlicht. Mit satten Einnahmen von umgerechnet 86,9 Mio. EUR führt der staatliche Anbieter Svenska Spel demnach weiterhin den schwedischen Markt an. Allein die Geschäftsbereiche Sportwetten und Online Casino, welche mit neu lizenzierten privaten Betreibern konkurrieren, erzielten dabei Umsätze von knapp 37 Mio. EUR.

Wie aus den Ergebnissen der Behörde darüber hinaus zu entnehmen ist, sind über 85 Prozent der Umsätze aus Januar und Februar von insgesamt nur zehn Betreibern eingefahren worden. Die Umsätze beliefen sich dabei unter dem Strich auf rund 316,4 Mio. EUR. Ein weiterer großer Gewinner des ersten Quartals ist diesbezüglich das ehemalige Pferderennmonopol AB Trav och Galopp (ATG). Das in der schwedischen Hauptstadt Stockholm stationierte Unternehmen wurde im Rahmen der Neuregulierung privatisiert. Im Ranking um die größten Marktanteile steht es derweil auf Platz Zwei, bei einem Umsatzvolumen von rund 64 Mio. Euro.

Der führende private Betreiber auf dem schwedischen Markt ist die auf Malta stationierte Kindred Group. Die Umsätze der schwedischen Spooniker-Tochter beliefen sich in den ersten zwei Monaten des noch jungen Jahres auf rund 23,6 Mio. EUR. Damit liegt Kindred zumindest vor der staatlichen Svenska Spel Casino-Tochtergesellschaft Casino Cosmopol, die im Januar und Februar lediglich rund 15 Mio. EUR einholte.

Auf den weiteren Plätzen folgt zunächst der britische Marktgigant Bet365, mit einem Gesamtumsatz Umsatz von 11,2 Mio. EUR. Auf Platz Vier steht das an der Stockholmer Börse gelistete Online Casino-Unternehmen LeoVegas mit Umsätzen in Höhe von 9,9 Mio. EUR. Es folgen drei weitere Online Betreiber, die allesamt die Pay N Play-Lösung von Trustly verwenden: Erstens, der Anbieter Hero Gaming, bei einem Umsatzvolumen von 7,6 Mio. EUR. Zweitens, die Marke Global Gaming, bei einem Umsatzvolumen von 7,4 Mio. EUR. Drittens, der ebenfalls auf Malta stationierte Anbieter Snabbare, bei einem Umsatzvolumen von 5,8 Mio. EUR.

Wie bereits angedeutet macht der Gesamtumsatz der zehn führenden schwedischen Anbieter in den ersten zwei Monaten nach der Neuregulierung fast die Hälfte des gesamten Marktumsatzes des ersten Quartals 2018 aus. Dieser beläuft sich laut Angaben der Behörde auf satte 556,2 Mio. EUR.

Gewinner und Verlierer

Wo es Gewinner gibt, gibt es zwangsläufig auch Verlierer. Obgleich der neuregulierte und liberalisierte schwedische Markt aus pragmatischer Sicht als Erfolg bezeichnet werden kann, sanken die Einnahmen des Sektors seit der Inkraftsetzung des neuen Lizenzverfahrens am 01. Januar 2019 um ganze 33 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2018. Am schwersten von den Einbußen betroffen ist an dieser Stelle das schwedische Unternehmen Betsson, Die durchschnittlichen iGaming-Einnahmen fielen hier im Vergleich um drastische 75 Prozent von 9,5 Mio. EUR im Q1 2018 auf 2,2 Mio. EUR im Januar 2019.

Die Angaben entstammen dem schwedischen Finanzamt und wurden von den Finanzanalyse-Unternehmen Redeye erhoben. Der Absturz der Gesamtumsätze ist laut den Finanzexperten vor allem auf eine Verkleinerung des schwedischen Sektors infolge der neuen Gesetzeslage zurückzuführen, da diese mit neuen Regulierungs- und Sicherheitsstandards verknüpft ist. Seit der Marktliberalisierung gelten in Schweden strengere Werbevorschriften, zudem wurden Selbstausschlusssysteme zur Pflicht erklärt sowie eine sogenannte Drei-Sekunden-Automaten-Regel eingeführt. Letztere soll vor allem unbedachten Spielexzessen vorbeugen. Der Redeye-Analyst Kristoffer Lindstrom erklärt hierzu:

“Die Abnahme der Marktgröße zeigt, dass die neuen Regeln zu weniger Spielaktivität bei den Spielern führen. Die Verbraucherbehörde hat die Glücksspielanbieter hier vermehrt in die Verantwortung genommen.”

Lizenzverfahren auf dem Prüfstand?

Das neue schwedische Lizenzverfahren wurde nach dänischem Vorbild kreiert und dient vor allem dazu den Glücksspielmarkt Schweden für EU-lizenzierte Anbieter zugänglich zu machen. Seit der Inkraftsetzung der Gesetzesnovelle zum Jahresbeginn 2019 wurden indessen bereits mehr als 70 Lizenzen erteilt. Dass die Genehmigungen hier an entsprechende Maßnahmen und Normen der Glücksspielbehörde Spelinspektionen geknüpft sind, ist kein Geheimnis.

Vor allem in Bezug auf das Marketing sehen sich die Betreiber in Schweden derzeit mit starken Einschränkungen konfrontiert. Zum einen ist es den Anbietern verboten mit „übertriebenen Gewinnbotschaften“ zu werben, zum anderen darf im Onlinebereich nicht mit sogenannter Pop-up-Werbung auf Produkte hingewiesen werden. Spieler, die den Selbstausschluss erklärt haben, dürfen darüber hinaus keinerlei Marketingmaterial mehr erhalten.

Zum Ärger der Glücksspielaufsicht wurden jedoch indessen bereits zwei Beschwerden gegen frisch-lizenzierte Anbieter vorgebracht. Wegen Verstößen gegen die Lizenzauflagen wurden die Glücksspielbetreiber Paf und Genesis Gaming mit Bußgeldern belangt. Im Zentrum stand hier das zu hohe Ausmaß an Werbung für etwaige Bonusaktionen. Ob Schwedens neuregulierter Onlinesektor angesichts der regulatorischen Maßnahmen dauerhaft im europäischen Vergleich mithalten kann, bleibt in diesem Sinne vorerst abzuwarten.

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