In einem seit 2012 bestehenden Steuerrechtsstreit hat das Finanzgericht Hessen entschieden, dass der irische-englische Buchmacherriese Paddy Power Betfair (PPB) dem deutschen Finanzamt insgesamt 40 Mio. EUR Steuern zurückzahlen muss. Der Konzern plant in Revision zu treten. Zudem fordert auch Griechenland eine Rückzahlung von 15 Mio. EUR.

Ein Blick auf Finanzgericht Kassel im Bundesland Hessen.

Das Finanzgericht Kassel im Bundesland Hessen, wo über die Nachzahlung entschieden wurde. © Wikipedia

Finanzgericht weist Berufung zurück

Der langjährige Streit zwischen dem deutschen Staat und dem britischen Wettgiganten PPB basiert auf einer 2012 eingeführten Steuer für die Gewinne von Sportwetten. Die besagte Wettsteuer sieht einen Abgabe von fünf Prozent auf Bruttoeinsätze oder -gewinne vor. Die Regelung gilt für alle in Deutschland wohnenden Sportwettkunden, unabhängig davon, ob der jeweilige Buchmacher in der Bundesrepublik stationiert ist oder nicht. Den Buchmachern steht es in dieser Angelegenheit frei, die Steuerlast über Gebühren abzuwälzen oder die Verbindlichkeiten gegenüber dem Staat selbst aufzubringen.

Nach Einführung der Steuer hatte PPB seinen Vertrieb in der Bunderepublik zwar eingestellt, soll nun aber dennoch die anfallenden Steuern für das vorherige aktive Geschäftsjahr zurückzahlen. Dazu kommen die bisher angelaufenen Zinsen. Schon einmal ist PPB in dem Fall in Berufung getreten, diese wurde jedoch mit dem aktuellen Urteil des hessischen Finanzgerichts (Kassel) abgelehnt. Der Beschluss gilt somit abermals als bestätigt, PPB muss nach deutschem Gesetz zahlen.

In einer juristischen Erklärung des Unternehmens gibt PPB diesbezüglich jedoch zu verstehen das Urteil erneut anfechten zu wollen. Das Finanzgericht Hessen müsse demnach „genauer darlegen“ wie sich die geforderte Summe von 40 Mio. EUR zusammensetzt, so heißt es von Seiten der Anwälte. Darüber hinaus betonte ein Unternehmenssprecher gegenüber dem Branchenmagazin iGamingBusiness:

“Das Unternehmen wendet sich entschieden gegen die Grundlagen des Steuerbescheids, weshalb wir nach Gesprächen mit unseren juristischen Beratern und Finanzexperten zuversichtlich in die Berufung gehen werden.”

15 Mio. EUR Nachzahlung an Griechenland

Indessen fordert auch die griechische Regierung in Athen eine Steuernachzahlung von PPB – die Summe von insgesamt 15 Mio. EUR setzt sich aus Steuern, Strafzinsen und Mahngebühren zusammen und wird für den Zeitraum zwischen 2012 und 2014 erhoben. Laut PPB sei der griechische Fiskus allerdings schon Anfang 2019 ausgezahlt worden, die geforderte Nachzahlung sei aus diesem Grund völlig unbegründet. Von Seiten Athens gab es hierzu bislang jedoch keine Bestätigung. Die weiteren Entwicklungen sind an dieser Stelle abzuwarten.

Zum Verständnis: Paddy Power Betfair gilt als einer der größten internationalen Buchmacherkonzerne. Die britische Unternehmensgruppe, die Anfang 2016 aus einer 8 Mrd. EUR schweren Fusion zwischen den Betreibern Paddy Power und Betfair hervorging, erwirtschaftete allein 2017 über 2 Mrd. EUR und gehört damit zu den erfolgreichsten Sportwettanbietern überhaupt. PPB ist an der London Stock Exchange gelistet.

Dem Konzern gehört außerdem die bekannte Wettmarke Sportsbet sowie der Hunde- und Pferderennveranstalter TVG. Seit der US-Sportwettlegalisierung im vergangen Mai hat PPB zudem sein US-Geschäft ausgeweitet und in diesem Kontext zuletzt das Daily Fantasy Sports-Unternehmen FanDuel aus New York City übernommen

PPB präsentiert positive Geschäftszahlen 2018

In diesem Sinne gibt es derweil keineswegs nur schlechte Nachrichten für PPB: Jüngst hat die Unternehmensgruppe eine beachtliche Geschäftsbilanz für 2017/2018 veröffentlicht, die positiven Ergebnisse seien laut CEO Peter Jackson das Resultat erfolgreicher globaler Expansionen.

PPB hält demnach seinen internationalen Wachstumskurs aufrecht, die Gesamtumsätzen stiegen seit 2017 von 1,77 Mrd. GBP auf insgesamt 1,87 Mrd. GBP (~ 2,1 Mrd. EUR). Allein die Rubrik Online Sportwetten generierten dabei einen robusten Umsatzanstieg von 898 Mio. GBP 2017 auf über 948 Mio. GBP 2018. Die Zuwachsraten sorgen darüber hinaus für eine Erhöhung des EBITDA von 306 Mio. GBP auf 316 Millionen GBP. Geschäftsführer Jackson hierzu im Wortlaut:

“Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung der Gruppe im Jahr 2018, welches für den Sektor ein herausforderndes Jahr mit vielen rechtlichen und steuerlichen Veränderungen war. Unsere Marken-Kollektion ist auf allen Märkten gut positioniert. Paddy Power hat sein Engagement ausgedehnt und Produktverbesserungen in unseren klassischen Geschäftsmärkten erzielt.”

Was die globalen Entwicklungen PPBs angeht, betonte Jackson einen „Podestplatz“ anzustreben, vor allem mit Blick auf den schätzungsweise milliardenschweren US-Markt. Seit der Legalisierung obliegt die Sportwett-Regulierung hier den einzelnen Bundestaaten. Offizielle Gesetzesnovellen wurden bereits in acht Staaten erlassen, unter anderem in Nevada, New Jersey, New York, Mississippi und Pennsylvania. Mit Blick auf die kurz nach der PASPA-Aufhebung erfolgte FanDuel-Akquisition verwies CEO Jackson hier auf einen klaren Marktvorteil, im Zitat hieß es:

“Die Eröffnung des US-amerikanischen Online-Sportwettmarkts hat das Potenzial, die bedeutendste Entwicklung innerhalb des Sektors seit dem Aufkommen von Online Wetten zu werden. Anstatt unsere Pläne bekannt zu geben, haben wir uns lieber schnell bemüht, uns die besten Chancen zu sichern, um auf diesem Markt zu gewinnen.”

Man sei demzufolge zuversichtlich, dass FanDuel – das Unternehmen zählt indessen über 8 Mio. Kunden – eine mehr als solide Ausgangsbasis auf dem aufkeimenden Mark repräsentiert. Allein in New Jersey, wo die bundesweite Freigabe maßgeblich mitvorangetrieben wurde, halten FanDuel und PPB derweil bereits einen Marktanteil von 35%. Die weiteren Entwicklungen sind an dieser Stelle abzuwarten.

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